Vorsichtige Medikamente
Bestimmte Medikamente und rezeptfreie Präparate können die Symptome von MG verschlimmern. Es ist wichtig, dass Sie Ihren Arzt konsultieren, bevor Sie mit der Einnahme neuer Medikamente beginnen, auch rezeptfreier Medikamente oder Präparate. Denken Sie daran, jedem Arzt oder Zahnarzt von Ihrer MG-Diagnose zu erzählen.
Laden Sie die Liste herunterBei MG* zu vermeidende oder mit Vorsicht anzuwendende Medikamente
Viele verschiedene Medikamente werden mit einer Verschlechterung der Myasthenia gravis (MG) in Verbindung gebracht. Diese Arzneimittelassoziationen bedeuten jedoch nicht unbedingt, dass einem MG-Patienten diese Medikamente nicht verschrieben werden sollten. In vielen Fällen sind Berichte über eine Verschlechterung der MG sehr selten. In einigen Fällen kann es nur einen „zufälligen“ (d. h. keinen kausalen) Zusammenhang geben.
Darüber hinaus können einige dieser Medikamente für die Behandlung eines Patienten notwendig sein und sollten nicht als „tabu“ betrachtet werden. Es ist ratsam, dass Patienten und Ärzte die Möglichkeit erkennen und besprechen, dass ein bestimmtes Medikament die MG des Patienten verschlimmern könnte. Sie sollten auch, falls angemessen, die Vor- und Nachteile einer alternativen Behandlung abwägen, sofern diese verfügbar ist.
Es ist wichtig, dass der Patient seinen Arzt benachrichtigt, wenn sich die MG-Symptome nach Beginn der Einnahme eines neuen Medikaments verschlimmern. In der folgenden Liste sind nur die gängigsten verschreibungspflichtigen Medikamente aufgeführt, bei denen die stärksten Hinweise auf einen Zusammenhang mit einer Verschlechterung der MG vorliegen.
- Telithromycin: Antibiotikum gegen ambulant erworbene Lungenentzündung. Die US-amerikanische FDA hat für dieses Medikament bei MG eine „Black Box“-Warnung vergeben. Sollte bei MG nicht angewendet werden.
- Fluorchinolone (z. B. Ciprofloxacin, Moxifloxacin und Levofloxacin): Häufig verschriebene Breitbandantibiotika, die mit einer Verschlechterung der MG in Verbindung gebracht werden. Die US-amerikanische FDA hat für diese Mittel bei MG eine „Black Box“-Warnung herausgegeben. Verwenden Sie sie mit Vorsicht, wenn überhaupt.
- Botulinumtoxin: Vermeiden.
- D-Penicillamin: Wird bei Morbus Wilson und selten bei rheumatoider Arthritis eingesetzt. Wird stark mit der Entstehung von MG in Verbindung gebracht. Vermeiden.
- Chinin: Wird gelegentlich bei Beinkrämpfen eingesetzt. Anwendung außer bei Malaria in den USA verboten.
- Magnesium: Potenziell gefährlich bei intravenöser Verabreichung, z. B. bei Eklampsie während der Spätschwangerschaft oder bei Hypomagnesiämie. Nur anwenden, wenn unbedingt notwendig, und auf Verschlechterung achten.
- Makrolid-Antibiotika (z. B. Erythromycin, Azithromycin, Clarithromycin): Häufig verschriebene Antibiotika bei Infektionen mit grampositiven Bakterien. Können MG verschlimmern. Wenn überhaupt, dann nur mit Vorsicht anwenden.
- Aminoglykosid-Antibiotika (z. B. Gentamycin, Neomycin, Tobramycin): Wird bei Infektionen mit gramnegativen Bakterien eingesetzt. Kann MG verschlimmern. Mit Vorsicht anwenden, wenn keine alternative Behandlung verfügbar ist.
- Kortikosteroide: Eine Standardbehandlung für MG, kann aber innerhalb der ersten zwei Wochen zu einer vorübergehenden Verschlechterung führen. Achten Sie sorgfältig auf diese Möglichkeit.
- Procainamid: Wird bei unregelmäßigem Herzrhythmus verwendet. Kann MG verschlimmern. Mit Vorsicht verwenden.
- Desferrioxamin: Chelatbildner zur Behandlung von Hämochromatose. Kann MG verschlimmern.
- Betablocker: Wird häufig bei Bluthochdruck, Herzkrankheiten und Migräne verschrieben, ist aber bei MG potenziell gefährlich. Kann MG verschlimmern. Mit Vorsicht anwenden.
- Statine (z. B. Atorvastatin, Pravastatin, Rosuvastatin, Simvastatin): Wird zur Senkung des Serumcholesterins verwendet. Kann MG verschlimmern oder auslösen. Bei Bedarf vorsichtig und in der niedrigsten erforderlichen Dosis anwenden.
- Jodhaltige radiologische Kontrastmittel: Ältere Berichte dokumentieren eine erhöhte MG-Schwäche, aber moderne Kontrastmittel scheinen sicherer zu sein. Verwenden Sie sie mit Vorsicht und beobachten Sie, ob sich der Zustand verschlechtert.
**Chloroquin (Aralen): Wird bei Malaria- und Amöbeninfektionen eingesetzt. Kann MG verschlimmern oder auslösen. Mit Vorsicht anwenden.
**Hydroxychloroquin (Plaquenil): Wird bei Malaria, rheumatoider Arthritis und Lupus eingesetzt. Kann MG verschlimmern oder auslösen. Mit Vorsicht anwenden.
Von dem Internationale Konsensleitlinien zur Behandlung von Myasthenia gravis, http://n.neurology.org/content/87/4/419.long
**Genehmigt vom medizinisch-wissenschaftlichen Beirat der MGFA
Nachtrag des medizinischen und wissenschaftlichen Beirats des MGFA:
Checkpoint-Inhibitoren:
Die Immuntherapie bei Krebs ist ein spannender Fortschritt in der Behandlung vieler Krebsarten. Eine neu erkannte seltene Nebenwirkung einiger dieser Behandlungen ist jedoch Myasthenia gravis (MG). MG gilt als seltene Komplikation von Immuncheckpoint-Inhibitoren (ICIs) bei Krebs (Immuntherapie). Menschen, die vor Beginn der Immuntherapie kein MG hatten, haben ein höheres Risiko, an der Krankheit zu erkranken, obwohl bei Menschen mit zuvor diagnostiziertem MG eine Verschlechterung der myasthenischen Schwäche berichtet wurde. Der durchschnittliche Beginn der MG-Symptome liegt innerhalb von sechs Wochen (Bereich: zwei bis zwölf Wochen) nach Beginn der Immuntherapie.
Bisher wurde über die Entwicklung oder Verschlimmerung von MG unter Pembrolizumab berichtet, obwohl dies auch bei Nivolumab, Ipilimumab und anderen ICIs beobachtet wurde. Das Risiko kann bei der Verabreichung von Kombinationen von ICIs steigen.
Patienten mit MG und Krebs, die eine Krebsimmuntherapie in Erwägung ziehen, sollten mit ihrem Onkologen und Neurologen über diese mögliche Nebenwirkung sprechen. Ebenso sollten Ärzte, die bei Krebspatienten unter Immuntherapie eine neu auftretende Schwäche beurteilen, MG in Betracht ziehen.
Darüber hinaus kann MG mit ICIs von einer Entzündung des Skelett- und/oder Herzmuskels begleitet sein. MG-Patienten, deren Schwäche nach der ICI-Behandlung zunimmt, sollten sich umgehend an ihren Neurologen und Onkologen wenden.
Beispiele für Immun-Checkpoint-Inhibitoren (ICIs):
· Pembrolizumab (Keytruda)
· Nivolumab (Opdivo)
· Atezolizumab (Tecentriq)
· Avelumab (Bavencio)
· Durvalumab (Imfinzi)
· Ipilimumab (Yervoy)
